Ein Plädoyer an die Eltern von Kindern

Ich lese oft beim Kinderdoc und finde das spannend. Manchmal verlasse ich den Blog erheitert, manchmal nachdenklich, zuweilen verwirrt, selten missmutig.

Ich dachte jetzt mal, ich nehme die Kinderkrankheiten zum Anlass, ein wenig zu jammern bzw. Stellung zu beziehen für so manche Ungereimtheiten…

Ich bin seit über zwanzig Jahren Erzieherin, bzw Kindergärtnerin, die den Kindern hilft, ihren Weg zu finden, zu blühen und zu wachsen. Ich liebe meinen Beruf. Dieser Beruf verlangt soziales Engagement, die Bereitschaft am Monatsende nicht das große Geld zu bekommen, auch mal vom eigenen Geld für Feste etwas auszulegen, und mehr freiwillige Vorbereitungszeit (evtl. weil es nicht möglich war diese Zeit zu nehmen, weil man den Dienstplan einer erkrankten Kollegin übernehmen musste) zu machen, die nicht im Arbeitsvertrag verankert ist  und nicht als Überstunden angerechnet wird…

…und was dieser Beruf noch abverlangt, ist, sämtlichen Viren und Bakterien zu trotzen, die kleine Kinder mit in die Kita bringen. Manche sind nicht gleich zu erkennen, weil die Kids mit einem Fieberzäpfchen den Tag in der Kita überstehen müssen. Da spürt man erst mittags das heiße Köpfchen und das leidende Kind.

Manchmal haben Kinder keinen Magen-Darm-Virus, obwohl es sich übergibt und Durchfall hat. Es ist einfach die Gurke, die es am Abend zuvor nicht vertragen hat. Und dann zeigen Eltern ihren Unmut, wenn das Kitapersonal dahingerafft wird und mit dem Virus zuhause zu kämpfen hat und der Notdienst in der Kita ausgesprochen wird.

Oder ich, die derzeit mit dem Erieherwochenendkrankseinvirus kämpft und alles dafür täte, um morgen in die Kita gehen zu können, um kranken Kindern die Nase zu putzen, auf dem Schoß zu nehmen (wenn es einfach nur noch erschöpft ist und die Mama bräuchte)…

Es gibt nur wenige Eltern, die begreifen, dass ein krankes Kind in die Obhut der Eltern gehört,…das vielleicht zuhause durch die Gegend hopst, aber dennoch erschöpft ist. Eltern, die wissen, dass auch sie bei Krankheit zuhause bleiben, um sich auszukurieren. Und es gibt nur wenige Eltern, die begreifen, dass ein Kita-Tag ein Arbeitstag für die Kinder ist und sie nicht so stark wie Eltern sind, die die Zähne zusammenbeißen, um auf der Karriereleiter höher zu springen.

Ich gehe davon aus, hätte die Kita keine feste Schliesszeit, dann hätten wir manche Kinder 52 Wochen in der Kita. Es gibt durchaus Eltern, die ihren Urlaub genießen und ihr Kind dennoch von 8 bis 16 Uhr in die Kita bringen.

Klar, ich sehe das Bedürfnis, sich auch mal eine Auszeit zu gönnen, ohne Kind sich zu erholen. Nur…

Das beste  Mythos ist, wenn Eltern auf Sätze von uns  (z. B. ihr Kind ist krank/erschöpft/hat Fieber oder Durchfall)  die Zähne vorschieben, die da gerade kommen. Zähne….das beliebteste Vorschiebemittel, das Kind krank in die Krippe geben zu können.

Wer von euch erinnert sich daran, als der Weisheitszahn sich auf den Weg machte, das Zahnfleisch zu durchbrechen, um standfest im Mund seinen Dienst zu tun? Es ist schmerzhaft und so mancher hat damit zu tun, dass sein Immunsystem verrückt spielt,… plötzlich ist man erschöpft, hat Fieber oder Durchfall oder irgendein Virus sieht seine Chance und springt einen an, um sich auszubreiten.

Und so geht es Kindern auch. Sie sind genauso erschöpft nach einer durch geschrieenen Nacht, wie die Eltern, die alles getan hätten, um ihrem Kind die Schmerzen zu nehmen, um schlafen zu können.

Ich hab Kinder in der Kita, die sind gerade mal 18 Monate oder zwei Jahre auf der Welt und es wird ihnen das abverlangt, was die Mutter (über 30 und mehr Jahre auf der Welt)  von sich selbst abverlangt.

Ich bitte um Verständnis für die erkrankten  ErzieherInnen, die tagtäglich den Viren trotzen, wenn deren Immunsystem trotz täglicher Vitamin -‚Bomben‘ einfach seinen Dienst quittiert und sie ins Bett zwingt.

Ich bitte um Verständnis für die erkrankten ErzieherInnen, die dann morgens schuldbewusst in der Kita anrufen, um sich krankzumelden, weil sie wissen, dass die restlichen Kollegen ihren Dienst mitmachen müssen.

Und das Wichtigste ist: Ich bitte um das Verständnis für ihr Kind, wenn es total verrotzt morgens aufsteht, zwar lächelt, vielleicht in die Kita will (weil es zum morgendlichen Ritual gehört), es zu sehen und ihm einen freien Tag zu geben.

Allen Eltern stehen jeweils zehn Tage pro Kind/pro Elternteil im Jahr  zu, die ihr Kind zuhause bleiben kann. Bitte achten Sie auf Ihr Kind und dabei auch auf uns ErzieherInnen, die diesen Beruf zum Teil aus reinen Idealismus gewählt haben,… die ihren Job lieben und ihn mit Herzblut ausüben, trotz aller Widrigkeiten.

Auf gute Zusammenarbeit, …

eine erkrankte Erzieherin, die im Bett liegt und hofft, dass sie sich bis morgen (= Montag) berappelt, um ihre Kinder zu betreuen.

Advertisements

Pünktlich…

…zum ersten Tag im neuen Krippenjahr 2017/18
hab ich mir dieses Buch bestellt,
und es liest sich flüssig und tut der Seele gut.

Foto – © Julie May – 706. Momentaufnahme – 31. Juli 2017

Kind sein

…wann habt ihr das letzte Mal, wie ein Kind gespielt? Ich mach das, als Erzieherin jeden Tag….und jetzt hab ich etwas bekommen, was die nächsten zwei Tage bei mir ist, bevor es in die Kita geht….

Es ist bunt und lässt sich zu einem Türmchen bauen und es rasselt.

 image

Kennt ihr es?

image

Foto – © by Julie May

….und was war dein Glücksmoment in den letzten Tagen bei dir?….

Erzähl mal!